Das Jahr nach dem Trail

Es ist heute genau 1 Jahr her, dass Henning und ich den Te Araroa erfolgreich beendet haben. Unglaublich wie die Zeit vergeht. Wir hatten uns auf dem Trail Vieles für danach vorgenommen, und nur Manches umgesetzt.

Zum Beispiel wollten wir uns gesund und gut ernähren. Da wir nach dem Thru-Hike noch gut 2 Monate auf Reisen waren, scheiterte dieses Unternehmen grandios. Es war einfach zu teuer Obst und Gemüse zu kaufen wenn Fish&Chips nur 5 Dollar kosten. Und mal ehrlich wer würde sich für Vitamine entscheiden wenn man dafür länger reisen kann.
Hinzu am noch, dass es schwer ist dem Hiker-Hunger, der noch lange nach der Wanderung anhält, etwas entgegen zu setzen. Selbst wenn man weiß was auf einen zukommt und man sich noch so gut vorbereitet - Wir hatten keine Chance und haben (leider) verlorenes Gewicht wieder zugelegt + Bonus. Der Körper glaubt eben wirklich er müsste sonst verhungern.

Eine andere Sache, die wir uns vorgenommen hatten war Sport. Im Gespräch mit Mitwanderern waren wir zu dem Schluss gekommen, dass man eigentlich nur einmal die Woche regelmäßig joggen gehen müsste um ein gutes Fitesslevel aufrecht zu halten. ja... guter Plan. Leider nicht eingehalten.
Wir hatten auch Pläne für Zuhause. Ein Garten mit eigenem Gemüse (check), Bienen (ähm nein), Hühner (auch nicht - wir mögen unsere Nachbarn zu gerne) und eine Arbeit mit gutem Einkommen. Einen Job zu finden war überhaupt kein Problem. Nach 7 Tagen hatte ich einen Platz gefunden und Henning nach 10 Tagen.

Das mit der Wohnung ist schwieriger gewesen. Fast ein halbes Jahr dauerte es bis wir in was Passendes einziehen konnten. Zum Glück gibt es die liebe Verwandtschaft in der Nähe.

Für die Zukunft hatten wir uns ausgemalt immer glücklich zu bleiben und zu wissen was wir wollen. Damit man nicht irgendwohin geschwemmt, wird wo man nicht hin will. Ich glaube das ist etwas was wir mit dem Trail verinnerlicht haben und das uns niemand mehr wegnehmen kann.
Wir haben uns so eingerichtet, dass wir flexibel bleiben können. Wenn das Leben also eine Wendung nimmt, die uns nicht gefällt, dann werden wir etwas daran ändern können.

Wer hat schon mal was von "Reverse Cultur Shock" gehört? Genau. Es geht darum, dass wenn man lange genug Zeit im Ausland verbracht hat, dann lernt man seine eigene Kultur mit anderen Augen zu sehen wenn man zurück kommt. Wir kannten das schon von anderen Reisen und es waren diesmal keine neue Erkenntnis dabei, außer vielleicht, dass die Leute nicht gerne darauf aufmerksam gemacht werden.

Es stimmt schon, dass es kein zurück in die alte heile Welt gibt. Man sieht die Welt mit anderen Augen nach einem Thruhike bzw. einer langen Reise, was gut aber auch schmerzhaft ist.
Mir ist auch klar, dass man sich immer seiner Umgebung anpasst. Und je länger wir wieder an einem Ort sind desto leichter wird es sich dort leben, denn desto mehr passt man sich (ungewollt) an. Man sollte sich gut überlegen womit und mit wem man seine Zeit verbringt, denn es beeinflusst einen sehr.

War es schwer nach dem Trail nach Hause zu kommen? Nein eigentlich nicht. Wir waren reisemüde und sehr glücklich endlich wieder an einem Fleck bleiben zu können. Und gleichzeitig ja, weil uns negative Dinge auffielen. Zum Beispiel grüßt dich niemand in dieser großen Stadt. Alle bleiben anonym. Die meisten gucken traurig verschlossen. Die Autofahrer sind gestresst und drängeln. Es gibt nicht so viele coole Restaurants.

Sind wir jetzt also glücklich? Ja sehr. Und wenn wir es mal nicht sind, dann weil wir verwöhnt sind und vergessen uns auf das Wesentliche zu besinnen. Dann holen wir unsere beiden Te Araroa Fotobücher hervor und es dauert nicht lange bis wir glücklich und stolz sind.

Wann geht es wieder los? Tja,...dass wir es nie mehr tun werden können wir nicht versprechen. Im Moment sind uns aber andere Dinge wichtiger. Das Gehirn muss erst wieder vergessen wie schmerzhaft und anstrengend eine solche Wanderung ist. Wenn es soweit ist, dann dauert es bestimmt nicht mehr lange bis wir wieder unsere Rucksäcke packen.

Navigieren auf dem Te Araroa

Uns erreichen regelmäßig Fragen zum Te Araroa. Die am häufigsten gestellte Frage ist die nach der Navigation. Ich schiebe diesen Blogbeitrag nun lange genug vor mir her. Hier kommen unsere Erfahrungen und Tipps mit der Navigation auf dem Te Araroa.

Generell findet ihr auf der Te Araroa Trust Website einen Downloadbereich mit Informationen zu jeden Wegabschnitt in Textform: die Trailnotes, und fertige digitale Karteninformationen im .kmz, GPX und PDF Form.


Brauche ich auf dem Te Araroa eine Karte oder folge ich einfach der Wegmarkierung?

Für den Te Araroa brauchst du auf jeden Fall eine Karte. Die Wegmarkierung ist nur teilweise vorhanden und dann auch nicht immer so vollständig dass man ihr ohne weiteres folgen kann. Ein Tramplepfand ist wegen der geringen Wandereranzahl und rasch wachsender Vegetation auch nicht immer sichtbar und es heißt: "choose your own adventure!"

Auf welchem Papier soll ich die Karten und Trailnotes ausdrucken und hattet ihr einen Kompass dabei?

Die Antwort hier wird ein paar von euch nicht gefallen: wir hatten KEINEN KOMPASS UND KEINE PAPIERKARTEN dabei! Wir hatten je ein (Samsung) Smartphone als Computer dabei. Darauf gespeichert waren DIGITALE KARTEN in einer GPS App und eine digitale Version der Trailnotes zum Nachlesen und Planen.
Damit uns der Akku nicht leer geht und wir ohne Karte dastehen hatten wir ein großes externes Akkupack dabei und - wie schon erwähnt- zwei Smartphones als Absicherung.




Vor- und Nachteile von Papierkarten vs. digitale Karten

Die Angst das Handy könnte leer oder kaputt gehen zerstreuen wir gerne mit: Papier kann nass werden und davon wehen. Papier ist, unserer Meinung nach, keine Garantie dafür, dass die Karten nicht kaputt gehen. Uns sind auf dem Te Araroa nur zwei Wanderer begegnet die Schwierigkeiten mit der Navigation hatten. Einer hatte seine Papierkarten verloren und der andere hatte zwar Papierkarten, wusste aber nicht wo genau auf der Karte er sich befindet.

Das ist der große Vorteil wenn man eine GPS App benutzt. Das Handy (oder GPS-Gerät) wird genau geortet und man kann leicht navigieren. Der zweite große Vorteil ist das Gewicht. Wer sowieso ein Telefon dabei hat (Musik, Filme, Fotografieren, Videos drehen, Lesen, Spielen, Blog schreiben, Skypen...) spart sich das komplette Papiergewicht und einiges an Druckkosten.

Wer dennoch unbedingt Papierkarten mitnehmen möchte, der sollte diese auf jeden Fall laminieren oder in einem Wasserdichten Beutel mitnehmen. Die Chancen, dass ihr und euer Gepäck einmal komplett durchnässt werdet stehen auf dem TA nämlich recht gut.

Wie funktioniert die Navigation mit dem Smartphone?

Die App, die wir benutzt haben heißt maps.me und ist kostenlos. Es gibt sie für Apple und Android.
Nachdem ihr die App auf eurem Handy installiert habt, müsst ihr die Offlinekarten für Neuseeland herunterladen.

Aus dem oben genannten Downloadbereich des Te Araroa Trust ladet ihr euch nun die .kmz file herunter, ebenfalls auf eurem Telefon. Sie fügt sich normalerweise automatisch als Lesezeichen hinzu. Jippih, freut euch. Letztes Jahr gab es noch keine .kmz Version. die mussten wir uns selber zusammen basteln.




Weitere Tipps:


1.) Räumt euer Handy vorher auf und stellt sicher, dass ihr genug Speicherplatz habt.

2.) Checkt eure Apps auf Apps mit hohem Hintergrund-Energiebedarf und entfernt diese Apps ggf.

3.) Verändert die Karte nach eurem Anforderungen. Ich würde für eine bessere Übersicht zum Beispiel die Trailkilometerangaben reduzieren und die Städte, in denen man Essen kaufen kann, hervorheben. Dazu markierst du den Pin, den du verändern willst. In Maps.me unten links leuchtet der Lesezeichen Stern gelb. Du entfernst ihn wenn du drauf klickst. Möchtest du den Pin verändern wischt du den Text nach oben und drückst auf "LESEZEICHEN BEARBEITEN". So kannst du auch mehrere Gruppierungen an Informationen (z.B. Unterkünfte, Essen...) anlegen. Alternativ könnt ihr den Trail auch in Google Earth importieren und dort anpassen um ihn anschließend wieder in Maps.me zurück zu exportieren. 

4.) Beispiel zu Punkt 3: ladet euch noch die Drehorte von Herr der Ringe dazu, denn ihr kommt an mehr Drehplätzen vorbei als ihr denkt (einfach googeln, es gibt ein paar Seiten, die die Orte als .kmz oder .kml zum Download zu Verfügung stellen)! 

5.) Benutzt euer Handy während dem Wandern im Offline- und Energiesparmodus. Schaltet es nachts aus. Wenn es kalt ist tut das auch dem Akku besser.

6.) Wasserdichte Smartphonehülle!!!






Vlog 30 ist online

Von Melbourne aus fahren wir zur Great Ocean Road und anschließend hinauf nach Brisbane. Eine Segeltour in den Whitsunday Islands bei Airly Beach muss natürlich genau so sein wie Koalas und Kängurus zu beobachten.

Erfahrungsbericht zum Schlafsack: Yeti Passion Three

Testzeitraum

April – Juli 2014, Wanderreise 2000 Kilometer Appalachian Trail (USA)
Januar – Juni 2017, Wanderreise 3000 Kilometer Te Araroa (Neuseeland)

Testobjekte  

2 Yeti Passion Three, Größe M und L

Testbedingungen    

Fast täglicher Gebrauch während der Wanderungen. Verwendung mit Liner (Innenschlafsack).

Lagerung 

Bei Nichtgebrauch in den mitgelieferten Netzsäcken, trocken, sauber und kühl.
Während der Wanderungen komprimiert in wasserdichten Packsäcken (Seat to Summit), ohne Rücksicht auf Verluste. Auslüften und Trockenhalten war nicht immer möglich.

Erfahrungen USA  

Die neuen Schlafsäcke hielten was sie versprachen. Leicht und dabei recht warm, robust und flauschig zugleich. Gleich zu Anfang der Wanderung, im Frühling, ergänzten wir den YETI PASSION THREE mit einem wärmenden Liner, da wir froren. Temperaturen um 10 Grad waren danach perfekt, unter 3 Grad wurde unangenehm und alles über 10 Grad war zu warm. Wenn es kalt wurde zogen wir Thermokleidung und Daunenjacken an, wenn es zu warm wurde benutzten wir den Liner alleine und der Yeti diente als zusätzliche Decke.

Bald merkten wir, dass der dünne Stoff und der zierliche Reißverschluss kein Grund zur Sorge sind und wenn man mal den Stoff einklemmt, was häufiger passiert, macht das nichts aus. Bis heute ist der Stoff und der Reißverschluss tadellos intakt.
Das Wetter war eher warm mit wenig Regen. Wir konnten oft lüften, dadurch gab es wenig Geruchsbildung durch nasse Daunen. Die Schlafsäcke konnten sauber gehalten werden durch den Liner.
Gewaschen haben wir die Schlafsäcke nach der Wanderung Zuhause in der Waschmaschine. Dafür benutzten wir Daunenwaschpulver und trockneten sie anschließend mit Tennisbällen im Trockner. Das Ganze war überhaupt nicht schwierig und kein Problem.
Der (Seiden-)Stoff ist sehr angenehm auf der Haut.

Erfahrungen NZ  

Neuseeland war kälter und nässer und die Schlafsäcke nicht mehr neu. All das zusammen führte zu häufigem Frieren unsererseits. Wir wussten dabei immer: wir frieren, werden aber nicht Erfrieren. Wenn wir die Reise nochmal machen würden, dann würden wir wärmere Schlafsäcke mitnehmen, die dann aber natürlich auch schwerer wären. Die Temperaturen lagen zwischen -3 und 20 Grad. Wir machten beim Frieren ein paar Beobachtungen: der Wärmeverlust war an den Seiten am Größten (direkt oberhalb der Isomatte) und eine gut isolierte Isomatte konnte die Wärmeleistung beträchtlich steigern.
Für ein bisschen mehr Komfort polsterten wir die Schlafsäcke von Innen im Oberkörperbereich mit unseren Daunenjacken (Ghost Whisperer von Mountain Hardware), hauptsächlich um die „Wärmelöcher zu stopfen“.
Geruchsentwicklung war auch auf dieser Wanderung kein Problem obwohl die Trockenhaltung und das Lüften sehr schwierig waren.
Nass geworden sind die Schlafsäcke zum Glück nie, aber feucht. Hier konnten wir keine Einschränkungen feststellen.
Die Schlafsäcke wurden nach der Wanderung einmal mit Daunenwaschmittel in der Waschmaschine gewaschen und anschließend im Trockner mit Tennisbällen getrocknet. Auch das hat wieder problemlos geklappt.

Verschleißerscheinungen 

Weniger Federn, und ungleichmäßige Verteilung der Daunen, „Wärmelöcher“


Verwendungstipps:

Man sollte einen Liner verwenden um den Schlafsack sauber zu halten und die Waschhäufigkeit zu minimieren.
Wenn dem Anwender der Schlafsack zu kühl erscheint, helfen erstmal Klamotten im Fußteil (z.B. die Wanderkleidung, die man zum Schlafen nicht trägt). Es scheint als würde der Schlafsack hierüber Wärme verlieren. Eine gut isolierende Isomatte ist ebenfalls wichtig, damit der Schlafsack richtig funktionieren kann - aber das ist ja bei jeden Schlafsack so.

Fazit

Unsere Schlafsäcke haben uns treu begleitet und nicht im Stich gelassen. Auch wenn sie mal etwas feucht geworden sind, haben sie uns warmgehalten.
Sie waren sehr viel robuster als zunächst erwartet. Wir haben die Schlafsäcke sorgsam behandelt und wir haben keine Löcher oder Risse erlebt. Der Reisverschluss klemmt den Stoff bei jedem Öffnen und Schließen etwas ein, selbst wenn man aufpasst. Doch der Stoff nimmt das klaglos hin.
Die Temperaturangaben müssten für uns etwas höher angelegt werden. Die Komfort-Temperatur würden wir von 7 °C auf 8 °C setzen, Limit-Temperatur von 3 °C auf 5 °C und die Extrem-Temperatur von -10 °C auf 0 °C erhöhen. Generell lässt der Schlafsack nicht so viel Spielraum zu. Bei unter 3 °C friert man deutlich und bei über 10 °C fängt man bereits an zu Schwitzen. Aber man kann den Schlafsack gut offen lassen und als Decke nutzen.
Die Größe M war bei einer Körpergröße von 158 cm gut und die Größe L bei einer Körpergröße von 185 cm ebenfalls ausreichend. Beide sind schmal geschnitten, so dass man nicht innerhalb des Schlafsacks ein Bein anwinkeln kann. Daran muss man sich erstmal gewöhnen.
Das Gewicht bei der Wärmeleistung ist immer noch sehr überzeugend!
Der Außenstoff ist sehr angenehm und weich. Atmungsaktivität war gegeben und angenehm.
Die Gestaltung der Kapuze konnten wir nicht nutzen. Als Kopfkissen haben wir wasserdichte Packsäcke mit Klamotten drin verwendet, die wir in einen Buff (Halstuch) gepackt haben. Dieses Konstrukt lag dann auf der Kapuze, die trotzdem noch zuziehbar bleib.


01.09.2017 Nachtrag: Vielen Dank an Yeti in Görlitz, die uns gesponsert haben und uns die Schlafsäcke professionell gereinigt und wieder mit neuen Daunen aufgefüllt haben. Jetzt sind zwei der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände wieder bereit für das nächste Abenteuer