5 Gründe warum Fernwandern kein Urlaub ist

Anlass zum heutigen Thema waren folgende Gespräche in der Vergangenheit.

"Hej! Schön, dass ihr anruft. Ich dachte ihr seit in der Wildnis unterwegs!" Tönt die Stimme eines lieben Verwandten per Skype.
"Nein, gerade nicht. Wir machen eine Woche Urlaub vom Trail und ruhen uns aus."
"Was? Hahaha, das ist ja lustig. Urlaub vom Urlaub!"

Ich möchte heute erklären warum Fernwandern KEIN Urlaub ist.
1.) Man steht jeden Morgen früh auf und arbeitet sich wandernd den Weg entlang. Wie im "echten Arbeitsleben hat man also eine Aufgabe und ein Ziel. Ich gehe mal davon aus, dass eure Arbeit ein Ziel hat =)

2.) Die körperliche Anstrengung strapaziert den Körper anstatt ihn zu entspannen (je nachdem welche Geschwindigkeit man sich zumutet). Man verliert dabei Gewicht. Man verbrennt so viele Kalorien, dass man es kaum schafft die gleiche Menge zu essen. Weiteres Beispiel, ich hoffe es ist nicht TMI (=too much info): Meine Periode setzte vor lauter körperlichem Stress für die Dauer der Wanderung auf dem Appalachian Trail einfach aus.

3.) Die Wildnis erfordert ein gewisses Verhalten. Man kann nicht nach Lust und Laune in einer Hängematte abhängen oder einen Fernseher herbeizaubern. Wetter, Tiere (z.B. Mäuse oder Bären), Terrain, Berge diktieren die Geschwindigkeit und den Tagesrhythmus. Da muss man immer schön flexibel und belastbar bleiben.

4.) Toilette gehen, Duschen, Wäsche waschen, einkaufen, schlafen. ..alles ist aufwendiger als im Alltag. Stell dir vor du müsstest zu jedem Wocheneinkauf in einen dir unbekannten Supermarkt....

5.) Monotonie. Gut um zu meditieren,  nachzudenken,  sich zu erden. Wenn man aber alle Probleme aufgearbeitet hat kann es ganz schön langweilig werden.



Das waren meine Gedanken zum Wochenende. Ich höre nun auf zu prokrastinieren und mich selbst abzulenken und werde weiter an meinem Buch schreiben.

Liebe Grüße Mela

Zum Abschluss kann ich euch noch zwei Artikel empfehlen:
Hier ein interessanter Artikel darüber, warum fernwandern nachhaltiger Umweltschutz ist: https://www.bergreif.de/2017/05/08/fernwandern-nachhaltiger-urlaub/
Und hier für alle Long-Distance-Trail Fans: es gibt einen neuen Wanderweg von Chile nach Feuerland: https://www.bbc.com/news/world-latin-america-45663960

Trail Food - Unsere 3 liebsten Rezepte auf dem Te Araroa und Update Trailküche


Die Ernährung auf einer Fernwanderung ist eine ganz anders als Zuhause. Hierzu hatte ich schon Mal etwas geschrieben, 2014. Das Essen muss leicht, haltbar, ungekühlt  lagerbar und kalorienreich sein.

Die Herausforderung besteht darin, trotz der oben genannten Kriterien, einen einigermaßen abwechslungsreichen und vor allem leckere Speiseplan zu erstellen. Die warme Mahlzeit beim Weitwandern ist das Abendessen. Es stellt gleichzeitig die größte Mahlzeit des Tag dar. Wir empfinden das Abendessen als Belohnung am Tagesziel. Im Folgenden stellen wir euch unsere drei liebsten Rezepte für das Abendessen vor.

Eins noch vorweg: die Rezepte hier sind keine genaue Wissenschaft. Auf dem Trail kochen ist individuell und genaue Angaben schwierig. Man hat weder Messbecher noch Waage, noch kann man vorhersagen wie sich der Kochtopf auf welcher Feuerquelle veralten wird. Also nicht verzweifeln wenn mal etwas nicht ganz so wird wie ihr euch das vorgestellt habt. Mit der Zeit findet man raus wie seine "Trail-Küche" tickt und worauf man achten muss.

Falls ihr unseren Artikel über Gewürze noch nicht gelesen habt, erfahrt ihr hier was wir so als Grundausstattung dabei hatten.

Unsere 3 liebsten Rezepte auf dem Trail

1. Rahmen Nudeln Satay

Dieses einfache Rezept schmeckt uns richtig gut. Es geht schnell und bietet viel Salz. Manchmal gibt es sogar Zuhause Ramen, wenn es schnell gehen muss oder wir faul sind. Ramen Nudeln mit Erdnussbutter.

Je nach Hunger haben wir 1 1/2 bis 2 Packungen Ramen Nudeln (Geschmacksrichtung ist egal) genommen und klassisch als Ramensuppe mit heißem Wasser aufgegossen. 

Anschließend packt man einfach so viel Erdnussbutter in die fertigen Instantnudeln, bis eine sämige Sauce entsteht und voilà "Ramen Nudeln Satay" ist fertig. 

Einfach lecker :)


2. Spaghetti mit Tomatensauce oder Knoblauchsauce

Das sind eigentlich zwei Rezepte. Die Grundzutat Spaghetti mit 2 Varianten Sauce.

  • Pro Person 1/2 Packung Spaghetti (für den einfacheren Transport in einer Ziplock haben wir die Spaghetti immer in der Mitte durchgebrochen
  • Optional (kleiner Luxus): für jeden ein kleines Beutelchen haltbaren, geriebenen Parmesan, den man am Schluss noch über seine Portion streuen kann
Die Spaghetti haben wir in unserem großen Topf gekocht. Der war dann zwar recht voll, aber es hat insgesamt gut funktioniert.


Variante "Tomate" - Zubereitung der Sauce in einer Titantasse (ist feuerfest)

  • Pro Person 1/2 Tube Tomatenmark (ist zwar nicht ganz dehydriert, aber immerhin schon stark konzentriert) in Wasser auflösen, bis eine sämige Sauce entsteht.
  • Die Tomatensauce in der Tasse erhitzen und mit Oregano und Salz würzen
  • Am Ende mit einem Schuss Olivenöl abschmecken

Variante "Knoblauch" - Zubereitung der Sauce in einer Titantasse (ist feuerfest)

  • Pro Person 2-3 Zehen Knoblauch kleinschneiden und in je 2 Fingerbreit Olivenöl geben
  • Den Knoblauch in Öl leicht anrösten bzw. frittieren (Vorsicht, dass er nicht verbrennt!)
  • Sauce vom Kocher / Feuer nehmen und mit Salz und Oregano nach belieben würzen

3. Rote Linsen mit Reis

Da wir keine Waage oder Messbecher zur Verfügung hatten, haben wir Reis und Linsen  in Bechern (Titantasse) gemessen. Pro Person haben wir etwa

  • 1/4 Becher Rote Linsen (nehmt auf keinen Fall andere Linsen, nur rote Linsen kochen schnell durch!)
  • 1/2 Becher Reis
  • 1/2 Brühwürfel (alternativ ca. 1 TL Instant Gemüsebrühe)
in einen Ziplock-Beutel abgefüllt und mitgenommen. Ganz wichtig ist das Essen schon ab dem Morgen einzuweichen! Damit spart ihr Kochzeit und Brennstoff! Wir haben in den Ziplockbeutel mit Reis und Linsen und Brühe gerade so viel Wasser gegeben, dass der Inhalt schön nass war, aber nicht schwamm. Zur Sicherheit wird das Ganze dann in eine zweite Ziplock verpackt, damit nichts ausläuft. Außen am Rucksack befestigen und es kann kein Unglück unbemerkt passieren.

Am Ende des Tages kocht man seine Linsen mit Reis dann unkompliziert zu Ende.

Verfeinern kann man das ganze mit
  • einem Schuss Olivenöl 
  • Nüssen
  • Thunfisch (im Folienbeutel, nicht in der Dose!)
  • gefriergetrocknetes Gemüse
  • u.v.m.


Anmerkungen zu Neuseeland:

In den USA mussten wir uns nie Essenspakete schicken, denn alle paar Tage gab es Möglichkeiten  Essen zu kaufen.
Im Norden der Südinsel Neuseelands kamen 3 Pakete zum Einsatz. Es wäre auch ohne gegangen, wäre aber komplizierter, zeitaufwendig und insgesamt teurer gewesen.

Das Essen in Neuseeland hat uns besser gefallen als in den USA. Eine Food-Depression hatten wir dieses Mal nicht. Es gab weniger Dinge, die wir wegen Monotonie im Speiseplan nicht mehr sehen konnten. Insgesamt waren wir sehr zufrieden mit der Auswahl und Verfügbarkeit der Lebensmittel.

"Profi-Tip"

Um zusätzliche Abwechslung in den Speiseplan zu bekommen, könnt ihr für den ersten Tag nach einem Stadtaufenthalt die Kriterien leicht, haltbar und ungekühlt lagerbar ignorieren und euch ein "Luxusessen" mitnehmen, das am ersten Wandertag gegessen wird. Das kurzfristig höhere Gewicht ist es Wert.

Update Trailküche für Neuseeland:

Unsere Küche haben wir etwas verändert. Wir hatten unseren Jetboil Zuhause gelassen, obwohl der super ist. Er kocht in kürzester Zeit heißes Wasser und dafür ist der Jetboil perfekt: Wasser kochen und damit Essen oder Getränke aufgießen.
Henning wollte aber gerne mehr kochen können ohne dass das Essen so schnell unten rein brennt. Und so nahmen wir einen Gaskocher und einen großen Titantopf von Toaks mit.
Außerdem verzichteten wir diesmal komplett auf Teller. Unser einziges Geschirr war der Topf und 2 Sea-to-Summit Tassen (einmal 450ml und einmal 600ml), alles aus Titan. So konnten wir auch die Tassen zum Spaghettisauce kochen benutzen. Meist aß einer aus seiner Tasse und einer aus dem Topf.

Trail Food - Zutaten für die Trailküche

Zutaten

Essen spielt eine zentrale Rolle im täglichen Wander-Rhythmus. Nicht nur, dass es einem die Energie gibt weiter zu laufen und zu regenerieren, es war für uns auch immer ein kleines – manchmal auch großes – Highlight und eine Belohnung für die Anstrengungen des Tages.

Bevor wir hier mit Rezepten um uns werfen, wollen wir einmal unsere „Grundnahrungsmittel“ vorstellen. Mit diesen lässt sich - in unterschiedlichen Kombinationen – einiges Schmackhaftes zaubern.


Erdnussbutter

Unser wichtigster Treibstoff war auf beiden bisherigen Wanderungen: Erdnussbutter. Wir hoffen du bist nicht allergisch, denn sonst fällt dieses „Super-Food“ leider flach. Vermutlich kann es aber mit Mandelmus oder anderem Nuss-Mus ersetzt werden.
Erdnussbutter haben wir mit fast allem gegessen. Besonders gut passt sie, unserer Meinung nach, zu Ramen um daraus leckere „Ramen Satay“ zu machen. Im Prinzip kann man sie aber in alle herzhaften Gerichte mischen um zusätzlich Geschmack, Proteine und Energie zu bekommen. Man kann Erdnussbutter auch prima nutzen um misslungene Kochversuche zu „retten“, da der Geschmack evtl. eingebrannte oder sonst wie missglückte Gerichte überdecken kann. Und Erdnussbutter hat viele Kilokalorien, was fast das Beste daran ist.

Olivenöl

Einen richtig dichten Behälter vorausgesetzt (z.B. eine Plastik Trinkflasche) ist Olivenöl unser zweitliebstes Add-On zu allerlei Gerichten. Egal ob man Reis, Nudeln, Couscous, Kartoffelbrei oder Ramen kocht, einfach einen kleinen (oder großen) Schuss Olivenöl dazugeben um eine extra Portion Energie (ca. 800 kcal/100ml) und Wertvolle Inhaltsstoffe zu erhalten.

Gewürze

Wir hatten immer eine kleine Auswahl an Gewürzen dabei. Diese haben wir in kleinen Döschen  aufbewahrt, nachdem unser erster Versuch sie in Faltflaschen zu lagern, sich als recht unpraktisch herausgestellt hat. Die Aufbewahrung sollte möglichst klein, leicht und unkaputtbar sein (z.B. die wasserdichte Box von Light-my-fire). Wasserfest ist kein Muss. eine Zip-Lock tut es auch.
Folgende Gewürze hatten wir dabei:

  • Salz
  • Oregano
  • Currypulver
  • Chilli oder Paprikapulver oder auch Mal eine Flasche Tabasco
  • Brühwürfel (selten)
  • Knoblauch (ein paar Zehen)


Hier kann sich jeder selbst raussuchen was und wie viel er gerne mag, aber wir sind damit ganz gut gefahren. Oregano passt gut zu Nudeln, Curry gut zu Couscous und Reis. Die Brühwürfel wurden hauptsächlich für Reis und Couscous-Gerichte genutzt um etwas mehr Geschmack hinein zu bringen. Knoblauch geht bei uns fast überall ;) und wiegt – gemessen an seiner „Würzkraft“ sehr wenig. (Außerdem hilft Knoblauch gegen Mücken und Sandflies).
Gewürze werden von Manchen sicherlich als  unnötiger Luxus angesehen, aber für uns sind sie sehr wichtig. Der Spruch „der Hunger treibt‘s rein“ gilt für uns nicht uneingeschränkt. Wir hatten schon mehr als einmal den Punkt erreicht, da das Essen nicht dem entsprach worauf wir Lust hatten oder das Essen einfach ungenießbar war (verschiedene Gründe). Wir bekamen es nicht runter und sind hungrig schlafen gegangen. Bei einem täglichen Kalorienbedarf von geschätzt 5000 bis 5500 kcal macht ein leerer Magen keinen Spaß.


Nutella

Das soll jetzt keine Schleichwerbung für Nutella sein, aber wir hatten oft welche dabei, obwohl wir Zuhause eigentlich keine haben. Nutella kann man gut verwenden um:

  • Porridge zu süßen
  • Ein Schoko-Getränk zusammen zu rühren
  • Auf Wraps / Brot
  • Einfach mal ein Löffel pur ;)

Auch hier gilt: Pluspunkt für die Kaloriendichte.


Trockengemüse

Mit Trockengemüse meinen wir nicht die super teuren „Freeze dryed“ Gemüsebeutelchen aus dem Outdoorladen, sondern Dinge wie:

  • Röstzwiebeln
  • Gefriergetrocknete Erbsen
  • Getrocknete Pilze

Die Liste kann beliebig weitergeführt werden. Allerdings ist das ausschlaggebende Kriterium, dass das Gemüse schnell aufweicht und nicht lange gekocht werden muss. In Neuseeland gibt es in fast jedem Supermarkt getrocknete Erbsen in geschickt portionierten Beutelchen (z.B. beim Countdown), die nach 1-2 Minuten in kochendem Wasser schon weich sind. Zwiebeln und Erbsen haben wir hauptsächlich zu Reis und Couscous dazu gegeben. Pilze sind aufgrund des Preises - und da Mela keine Pilze mag - so gut wie gar nicht auf unserem Speiseplan gelandet.

Das waren die Basics die wir in Neuseeland eingekauft haben (natürlich nicht immer alle gleichzeitig) und die sich für uns bewährt haben. Ein paar unserer liebsten Trail Rezepte folgen bald.

Wenn du ein paar All-Time-Favorits hast, schreib diese doch in die Kommentare. Wir sind neugierig was sich bei anderen bewährt hat und was wir nächstes Mal ausprobieren können.