Freiwillig obdachlos


Dieser Beitrag ist eine Leseprobe, ein Sneakpeak in eines meiner Buchkapitel und wird als Adventskalenderbeitrag auf www.autoren-adventskalender.de erscheinen. Der Kapiteltext wurde für diesen Zweck etwas abgewandelt, da nicht alle Leser regelmäßige Leser dieses Blogs sind und uns noch nicht kennen.




Deutschland, Dezember 2016

„Jetzt leg dich schon rein!“ drängele ich. Mein Papa schaut mich mit einer Mischung aus mitleidig, amüsiert und widerwillig an. Ich möchte, dass er sich auf den Boden legt. Mitten im Wohnzimmer meiner Eltern, zwischen Fernseher, Weihnachtsbaum und Couchtisch habe ich meine aufgepustete Isomatte ausgelegt und meinen schicken, super leichten und flauschigen Schlafsack darauf platziert. Das Kissen ist ein Packsack, gefüllt mit Ersatzwanderklamotten. Um nicht mit dem Gesicht auf dem Plastik zu liegen ist das Ganze mit einem Buff-Schal ummantelt.

Es ist kurz vor Weihnachten und ich und mein Mann Henning sind mitten in den letzten Vorbereitungen für unsere zweite große Reise. 2014 waren wir ein halbes Jahr zu Fuß in den USA unterwegs, diesmal soll es nach Neuseeland gehen. In wenigen Tagen geht es los und wir sind bei meinen Eltern in der Heimat in das Gästezimmer eingezogen. Unsere Wohnung und unsere Jobs haben wir gekündigt und all unser Besitz in einem Kellerraum eingelagert.

Da wir kaum ein anderes Thema als die bevorstehende Weltreise und unsere große Wanderung haben, geht es auch heute nicht um das bevorstehende Weihnachten, sondern um unsere Ausrüstung.
Irgendjemand hatte den Kommentar gebracht: „Isomatte, das wäre mir viel zu unbequem! Und ihr wollt da ein halbes Jahr drauf schlafen?!“ Da wir unsere Ausrüstung bereits monatelang in der Praxis getestet, ausgetüftelt und verbessert haben, sind wir von ihrer Funktion und Gemütlichkeit überzeugt und begeistert.
Zwar kann ich mich nicht erinnern wer der Zweifler war, aber das muss jetzt die ganze Familie ausbaden.
„Bitte, probier‘ doch mal! Das ist total bequem, das wird dich umhauen!“ 
Endlich erbarmt sich mein armer Papa, ein würdevoller Geschäftsmann Anfang Fünfzig, und legt sich auf den Boden. Was man nicht alles für seine Kinder tut. Selbst wenn diese schon längst erwachsen sind. Manchmal frage ich mich schon für wie verrückt mich meine Verwandtschaft hält.
„Naja, also ich glaube ich würde da Rückenschmerzen bekommen.“, sagt mein Papa. Er war sofort wieder aufgestanden und nicht mal halb so begeistert wie erwartet.
„Nein, man bekommt keine Rückenschmerzen auf dieser Matratze! Die wiegt nur 344 Gramm und ich habe darauf weniger Probleme als in meinem eigenen Bett!“, erwidere ich aufgebracht. Ich kann nicht verstehen wie er etwas anderes als begeistert von meiner zukünftigen Schlafstatt sein kann. Er lächelt nachsichtig. Manchmal habe ich das Gefühl als könne er sich nicht entscheiden ob er stolz auf mich ist oder denkt, dass ich Zeit verschwende.
Jetzt ist der Rest dran. Als sich meine Schwester auf das Schlaflager im Wohnzimmer niederlässt, gesellt sich der Hund dazu. Ihm scheint es zu gefallen. Wir müssen lachen. Wir fragen uns, wie er es schafft auf der relativ schmalen Matratze neben meiner Schwester noch Platz zu finden. Es ist kein großer Hund. Aber es ist auch eine minimalistische Isomatte.

Meine Familie freut sich, dass wir da sind und gleichzeitig verstecken sie auch nicht, dass sie sehr traurig sind, dass wir für so lange Zeit weg sein werden. Neuseeland ist nicht gerade um die Ecke. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass wenn man ein Loch von Deutschland aus durch den Erdball bohren würde, man auf der anderen Seite bei Neuseeland rauskommt. Wir fliegen also auf die andere Seite der Welt. 
Aber vorher feiern wir erstmal gemütlich Weihnachten. Alle zusammen. Ganz nah.


5 Gründe warum Fernwandern kein Urlaub ist

Anlass zum heutigen Thema waren folgende Gespräche in der Vergangenheit.

"Hej! Schön, dass ihr anruft. Ich dachte ihr seit in der Wildnis unterwegs!" Tönt die Stimme eines lieben Verwandten per Skype.
"Nein, gerade nicht. Wir machen eine Woche Urlaub vom Trail und ruhen uns aus."
"Was? Hahaha, das ist ja lustig. Urlaub vom Urlaub!"

Ich möchte heute erklären warum Fernwandern KEIN Urlaub ist.
1.) Man steht jeden Morgen früh auf und arbeitet sich wandernd den Weg entlang. Wie im "echten Arbeitsleben hat man also eine Aufgabe und ein Ziel. Ich gehe mal davon aus, dass eure Arbeit ein Ziel hat =)

2.) Die körperliche Anstrengung strapaziert den Körper anstatt ihn zu entspannen (je nachdem welche Geschwindigkeit man sich zumutet). Man verliert dabei Gewicht. Man verbrennt so viele Kalorien, dass man es kaum schafft die gleiche Menge zu essen. Weiteres Beispiel, ich hoffe es ist nicht TMI (=too much info): Meine Periode setzte vor lauter körperlichem Stress für die Dauer der Wanderung auf dem Appalachian Trail einfach aus.

3.) Die Wildnis erfordert ein gewisses Verhalten. Man kann nicht nach Lust und Laune in einer Hängematte abhängen oder einen Fernseher herbeizaubern. Wetter, Tiere (z.B. Mäuse oder Bären), Terrain, Berge diktieren die Geschwindigkeit und den Tagesrhythmus. Da muss man immer schön flexibel und belastbar bleiben.

4.) Toilette gehen, Duschen, Wäsche waschen, einkaufen, schlafen. ..alles ist aufwendiger als im Alltag. Stell dir vor du müsstest zu jedem Wocheneinkauf in einen dir unbekannten Supermarkt....

5.) Monotonie. Gut um zu meditieren,  nachzudenken,  sich zu erden. Wenn man aber alle Probleme aufgearbeitet hat kann es ganz schön langweilig werden.



Das waren meine Gedanken zum Wochenende. Ich höre nun auf zu prokrastinieren und mich selbst abzulenken und werde weiter an meinem Buch schreiben.

Liebe Grüße Mela

Zum Abschluss kann ich euch noch zwei Artikel empfehlen:
Hier ein interessanter Artikel darüber, warum fernwandern nachhaltiger Umweltschutz ist: https://www.bergreif.de/2017/05/08/fernwandern-nachhaltiger-urlaub/
Und hier für alle Long-Distance-Trail Fans: es gibt einen neuen Wanderweg von Chile nach Feuerland: https://www.bbc.com/news/world-latin-america-45663960

Trail Food - Unsere 3 liebsten Rezepte auf dem Te Araroa und Update Trailküche


Die Ernährung auf einer Fernwanderung ist eine ganz anders als Zuhause. Hierzu hatte ich schon Mal etwas geschrieben, 2014. Das Essen muss leicht, haltbar, ungekühlt  lagerbar und kalorienreich sein.

Die Herausforderung besteht darin, trotz der oben genannten Kriterien, einen einigermaßen abwechslungsreichen und vor allem leckere Speiseplan zu erstellen. Die warme Mahlzeit beim Weitwandern ist das Abendessen. Es stellt gleichzeitig die größte Mahlzeit des Tag dar. Wir empfinden das Abendessen als Belohnung am Tagesziel. Im Folgenden stellen wir euch unsere drei liebsten Rezepte für das Abendessen vor.

Eins noch vorweg: die Rezepte hier sind keine genaue Wissenschaft. Auf dem Trail kochen ist individuell und genaue Angaben schwierig. Man hat weder Messbecher noch Waage, noch kann man vorhersagen wie sich der Kochtopf auf welcher Feuerquelle veralten wird. Also nicht verzweifeln wenn mal etwas nicht ganz so wird wie ihr euch das vorgestellt habt. Mit der Zeit findet man raus wie seine "Trail-Küche" tickt und worauf man achten muss.

Falls ihr unseren Artikel über Gewürze noch nicht gelesen habt, erfahrt ihr hier was wir so als Grundausstattung dabei hatten.

Unsere 3 liebsten Rezepte auf dem Trail

1. Rahmen Nudeln Satay

Dieses einfache Rezept schmeckt uns richtig gut. Es geht schnell und bietet viel Salz. Manchmal gibt es sogar Zuhause Ramen, wenn es schnell gehen muss oder wir faul sind. Ramen Nudeln mit Erdnussbutter.

Je nach Hunger haben wir 1 1/2 bis 2 Packungen Ramen Nudeln (Geschmacksrichtung ist egal) genommen und klassisch als Ramensuppe mit heißem Wasser aufgegossen. 

Anschließend packt man einfach so viel Erdnussbutter in die fertigen Instantnudeln, bis eine sämige Sauce entsteht und voilà "Ramen Nudeln Satay" ist fertig. 

Einfach lecker :)


2. Spaghetti mit Tomatensauce oder Knoblauchsauce

Das sind eigentlich zwei Rezepte. Die Grundzutat Spaghetti mit 2 Varianten Sauce.

  • Pro Person 1/2 Packung Spaghetti (für den einfacheren Transport in einer Ziplock haben wir die Spaghetti immer in der Mitte durchgebrochen
  • Optional (kleiner Luxus): für jeden ein kleines Beutelchen haltbaren, geriebenen Parmesan, den man am Schluss noch über seine Portion streuen kann
Die Spaghetti haben wir in unserem großen Topf gekocht. Der war dann zwar recht voll, aber es hat insgesamt gut funktioniert.


Variante "Tomate" - Zubereitung der Sauce in einer Titantasse (ist feuerfest)

  • Pro Person 1/2 Tube Tomatenmark (ist zwar nicht ganz dehydriert, aber immerhin schon stark konzentriert) in Wasser auflösen, bis eine sämige Sauce entsteht.
  • Die Tomatensauce in der Tasse erhitzen und mit Oregano und Salz würzen
  • Am Ende mit einem Schuss Olivenöl abschmecken

Variante "Knoblauch" - Zubereitung der Sauce in einer Titantasse (ist feuerfest)

  • Pro Person 2-3 Zehen Knoblauch kleinschneiden und in je 2 Fingerbreit Olivenöl geben
  • Den Knoblauch in Öl leicht anrösten bzw. frittieren (Vorsicht, dass er nicht verbrennt!)
  • Sauce vom Kocher / Feuer nehmen und mit Salz und Oregano nach belieben würzen

3. Rote Linsen mit Reis

Da wir keine Waage oder Messbecher zur Verfügung hatten, haben wir Reis und Linsen  in Bechern (Titantasse) gemessen. Pro Person haben wir etwa

  • 1/4 Becher Rote Linsen (nehmt auf keinen Fall andere Linsen, nur rote Linsen kochen schnell durch!)
  • 1/2 Becher Reis
  • 1/2 Brühwürfel (alternativ ca. 1 TL Instant Gemüsebrühe)
in einen Ziplock-Beutel abgefüllt und mitgenommen. Ganz wichtig ist das Essen schon ab dem Morgen einzuweichen! Damit spart ihr Kochzeit und Brennstoff! Wir haben in den Ziplockbeutel mit Reis und Linsen und Brühe gerade so viel Wasser gegeben, dass der Inhalt schön nass war, aber nicht schwamm. Zur Sicherheit wird das Ganze dann in eine zweite Ziplock verpackt, damit nichts ausläuft. Außen am Rucksack befestigen und es kann kein Unglück unbemerkt passieren.

Am Ende des Tages kocht man seine Linsen mit Reis dann unkompliziert zu Ende.

Verfeinern kann man das ganze mit
  • einem Schuss Olivenöl 
  • Nüssen
  • Thunfisch (im Folienbeutel, nicht in der Dose!)
  • gefriergetrocknetes Gemüse
  • u.v.m.


Anmerkungen zu Neuseeland:

In den USA mussten wir uns nie Essenspakete schicken, denn alle paar Tage gab es Möglichkeiten  Essen zu kaufen.
Im Norden der Südinsel Neuseelands kamen 3 Pakete zum Einsatz. Es wäre auch ohne gegangen, wäre aber komplizierter, zeitaufwendig und insgesamt teurer gewesen.

Das Essen in Neuseeland hat uns besser gefallen als in den USA. Eine Food-Depression hatten wir dieses Mal nicht. Es gab weniger Dinge, die wir wegen Monotonie im Speiseplan nicht mehr sehen konnten. Insgesamt waren wir sehr zufrieden mit der Auswahl und Verfügbarkeit der Lebensmittel.

"Profi-Tip"

Um zusätzliche Abwechslung in den Speiseplan zu bekommen, könnt ihr für den ersten Tag nach einem Stadtaufenthalt die Kriterien leicht, haltbar und ungekühlt lagerbar ignorieren und euch ein "Luxusessen" mitnehmen, das am ersten Wandertag gegessen wird. Das kurzfristig höhere Gewicht ist es Wert.

Update Trailküche für Neuseeland:

Unsere Küche haben wir etwas verändert. Wir hatten unseren Jetboil Zuhause gelassen, obwohl der super ist. Er kocht in kürzester Zeit heißes Wasser und dafür ist der Jetboil perfekt: Wasser kochen und damit Essen oder Getränke aufgießen.
Henning wollte aber gerne mehr kochen können ohne dass das Essen so schnell unten rein brennt. Und so nahmen wir einen Gaskocher und einen großen Titantopf von Toaks mit.
Außerdem verzichteten wir diesmal komplett auf Teller. Unser einziges Geschirr war der Topf und 2 Sea-to-Summit Tassen (einmal 450ml und einmal 600ml), alles aus Titan. So konnten wir auch die Tassen zum Spaghettisauce kochen benutzen. Meist aß einer aus seiner Tasse und einer aus dem Topf.