Es regnete in Strömen die ganze Nacht. Es ist sehr sandig/steigig in Maine und viel Wasser gibt es auch. Das Regenwasser konnte nicht sehr schnell abfließen und es bildete sich eine 6cm tiefe Pfütze und zwar einfach überall.
Wir standen heute um 5 Uhr auf. Es wird hier weiter im Osten schon um kurz nach 4 hell und es fühlte sich gar nicht so schlimm an.
Ein Blick aus dem Zelt zeigte, dass die Überschwemmungspfütze wieder verschwunden war. Allerdings waren unsere Rucksäcke im Vorzelt nass geworden und in Docs Schuhen stand das Wasser. Immerhin regnete es nicht mehr. Das Zelt mussten wir trotzdem triefnass einpacken.
Wir liefen los und freuten uns auf einen einfachen Tag, denn das Profil war komplett flach. Leider wurde es überhaupt kein angenehmer Tag.
Es gab unglaublich viele Mücken. Man konnte im Prinzip nicht stehen bleiben, sonst hatte man sie sofort überall. Wir verbrauchten die halbe Flasche unseres Insektensprays.
Nach ein paar Meilen kamen wir an einen Fluss, den wir durchwaten mussten. Er sah ganz und gar nicht so aus wie wir uns das gedacht hatten. Er war schnell und wild. Man konnte weder über Steine balancieren noch sehen wie tief es war (das war wohl dem nächtlichen Dauerregen geschuldet).
Wir tauschten unsere Schuhe und zogen die Fluss-/Campschuhe an und Hangry ging vor und zeigte Doc wo sie hintreten soll. Es war äußerst schwierig. Wir stiegen von Stein zu Stein; sie lagen aber alle bis zu knietief unter Wasser und waren rutschig. Wir stützten uns mit unseren Stöcken ab, aber die Strömung war so stark, dass man immer wieder abglitt. Der große Rucksack auf dem Rücken, gefüllt mit 5 Tage Essen, war auch keine Hilfe beim Gleichgewicht halten. Doc verlor an einer Stelle fast die Fassung, an der die Strömung so stark war, dass man den Fuß nur ganz leicht anheben durfte damit einem nicht das ganze Bein weggezogen wurde. Wie durch ein Wunder fiel keiner in den Fluss.
Wir hatten uns noch nicht richtig erholt da kam kurz danach gleich der nächste Flussarm zum überqueren. Der sah nicht besser aus als der Erste und wir liefen etwas am Ufer hoch um eine bessere Stelle zu finden, aber da war keine. Doc überkam eine kleine Panikattacke, aber es half ja nichts. Zurück ging es über einen Fluss und vorwärts auch. Also wieder Schuhe wechseln und vorwärts. Es war wieder anstrengend und die Beine fingen an zu zittern (das Wasser war auch nicht gerade warm). Diesmal rutschte Doc ab und stand bis zum Po im Wasser.
Nach ca. 10 Meilen kamen wir zum Abol Campground and Store und aßen dort im Restaurant zu Mittag. Als es heftig zu regnen begann entschieden wir, dass es für heute aufregend genug gewesen war.
Wir durften mit einer aufgedrehten und durchgeweichten Rafting-Gruppe im Bus mit nach Millinocket fahren. Es war Indipendence Day, 4th of July.
Ja ihr habt richtig gelesen. Wir sind in Maine angekommen und haben heute Mount Kathadin bestiegen.
Die Anreise zum nördlichen Ende des Trails ist auch nicht einfacher (eher komplizierter) als zum südlichen Ende. Mit mehren Busfahrten sind wir von Boston über Bangor nach Medway gekommen. Dort angekommen mussten wir wohl oder übel das Hiker-Hostel in Millinocket anrufen um dort einzuchecken, damit wir 1.nach Millinocket und 2. am nächsten Tag zum Trailhead kommen konnten (bzw. überhaupt noch irgendwohin). Hier oben ist nicht mehr viel los und per Anhalter zu fahren ist somit extrem schwierig. Das wird von den Hostels (sei es im Süden oder Norden), die immer fleißig von sich selber behaupten die guten Samariter am Trail zu sein, ziemlich ausgenutzt, was sich in den gesalzenen Shuttlepreisen niederschlägt.
Nachdem wir endlich im Park waren, konnten wir nach einem kurzen Plausch mit dem Ranger, Kathadin mit den geliehenen Tagesrucksäcken in Angriff nehmen. Um 8 Uhr gings los.
Die Landschaft ist natürlich komplett anders als bisher und wir kamen kaum hinterher uns an all den neuen Eindrücken zu erfreuen. Das erste und letzte Drittel des Berges war einfach doch die Mitte hat es echt in sich. Riesige Bolder mit einer Schmirgelpapier ähnlichen Oberfläche türmen sich hunderte Fuß an der Flanke des Berges und sind zu besteigen. Doc war an ein paar Stellen etwas zu klein gewachsen um sich irgendwo hochzuziehen zu können und brauchte Hilfe.
Die Kletterei war anstrengend und manchmal angsteinflösend, doch gelang uns ganz gut. Die frischen South Bounder, welche wir schon im Hotel getroffen haben und mit denen wir uns einen der Campingplätze teilen, hatten ziemlich zu kämpfen und um 19:00 waren immer noch 4 von 5 nicht zurück gekehrt (wir sind seit kurz nach 3:30 wieder unten angekommen). Übrigens war runter steigen viel einfacher (Doc brauchte keine Hilfe mehr)...auch wenn unsere Knie gequält aufschrien.
Auf den Gipfel haben wir drei North Bounder getroffen, die heute ihre Wanderung abgeschlossen haben. Sie feiern jetzt neben uns. Ihre Freundinnen sind extra angereist gekommen und haben Bratwürstchen, Burger und Bier mitgebracht. Es sei ihnen gegönnt ;)
Ein bisschen neidisch waren wir natürlich schon als sie völlig in Glück das Schild erreicht hatten, aber wir sind deshalb nicht traurig. Wir wissen auch ohne einen riesigen Berg am Schluss, was wir geschafft und erlebt haben.
Wir schliefen aus. Ich kann mich wirklich nicht recht erinnern wann wir das das letzte Mal getan haben. Ich meine so richtig ausschlafen, dass man aufwacht und sich einfach nur gut fühlt und es auch 12 Uhr Mittags sein könnte (Es war erst 8:30).
Heute ist Hangrys Geburtstag. Wir fuhren mit dem Zug zurück in die Stadt und auf dem Programm stand Sightseeing :)
Wir liefen sehr viel und weit, aber genossen es sehr. Wir stellten fest, dass wir gar keinen Touri-Bus brauchen - wir können das alles in kurzer Zeit zu Fuß laufen und sind nicht mal völlig kaputt und die Füße tun auch nur mäßig weh (nichts im Vergleich zum Trail).
Boston ist wirklich eine sehr schöne Stadt (bis jetzt die Schönste in den Staaten, die wir gesehen haben). Sie ist irgendwie eine Mischung aus Hamburg und Frankfurt und man kommt sich trotz der Größe nicht wirklich verloren vor. Wir können sie nur empfehlen. Maine Lobster gibt es natürlich auch an jeder Ecke, was es dann zur Feier des Tages auch als Geburtstagsessen gab.
Wir hatten vorher im Internet recherchiert wie man Hummer isst. Wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn die Tellerunterlage hatte praktischerweise eine Anleitung.
Spannend wurde es als wir versuchten Bus Tickets für morgen zu kaufen. Man konnte dies nämlich nur online, musste die Tickets aber unbedingt ausgedruckt mitbringen.
In unserer Verzweiflung wendeten wir uns an das Büro der Segelschule, das perfekt ausgestattet war. Aber man wollte uns nicht helfen. Gleich der zweite Versuch glückte: das 5 Sterne Hotel Boston Harbour ließ uns nach kurzem zögern an die Computer der Hotelgäste und, weil es da nicht klappte, schließlich an den Administrator PC und schenkte uns zum Abschied auch noch zwei Flaschen Wasser (gekühlt natürlich :) ).