Ich schreibe ein Buch

Ich habe so viel positives Feedback zu meinem Blog Reise-Tagebuch bekommen und von unterschiedlicher Seite den Vorschlag: Schriebe doch ein Buch über eure Reise, ich lese so gerne was du schreibst.

Ich? Ein Buch? Das kam mir absurd vor. Die ersten "Anfragen" dieser Art erreichten mich schon während der Wanderung. Und mit der Zeit fing mein Kopf an zu arbeiten.

"Dir macht Schreiben doch Spaß...." sagte die Stimme in meinem Kopf.
"Ja, Kopf. Aber noch mehr Lesen"
"Warum schreibst du dann nicht einfach ein Buch?" fragte die Stimme
"Weil ich sowas noch nie gemacht habe, und wer will das lesen und überhaupt steht doch schon ein ganzes Reisetagebuch online... lass mich in Ruhe, das traue ich mich nicht."

Wenn die Stimme in meinem Kopf ein Gesicht hätte, dann hätte sie an dieser Stelle vielleicht beide Augenbrauen hochgezogen.
Ich begriff, dass ich nur Angst hatte den ersten Schritt zu machen.  Und wenn ich durch das Wandern eine Sache gelernt habe, dann die: Ängsten muss man sich stellen. Sie sind deine Wegweiser. Wenn du vor etwas Angst hast, dann weil es sich lohnt es zu probieren.

Also fing ich an Ideen zu sammeln. Was habe ich schon zu verlieren.




So lange ich denken kann liebe ich Bücher. Ich lese Bücher seit ich in der Schule lesen gelernt habe und genieße vor allem Romane. Mein Lieblingsbuch (bzw. -bücher) ist - wie könnte es anders sein in meiner Generation -  Harry Potter.

Mir wurde klar, ich kann noch viel mehr in einem Buch unterbringen als in einem Blog-Tagebuch. Ich könnte meine Leser hautnah entführen und besser erklären was uns geritten hat einmal 2000 Kilometer durch die USA und noch einmal 3000 Kilometer zu Fuß durch Neuseeland zu laufen. Und das Thema wird mir bestimmt niemals langweilig.

Noch während unserer Te Araroa Reise fing ich an zu schreiben und stellte fest. Ups, das ist schwerer als gedacht. "Schreib doch mal ein Buch?" Guter Witz, so einfach schreibt sich das nicht. Schon gar nicht während der Wanderung auf einem Handy.

Zurück in Deutschland und im Arbeitsalltag angekommen merkte ich: Nebenher schreiben, das funktioniert für mich nicht. Auch nicht neben meiner regulären Arbeit.
Im Frühjahr 2018 wurde ich vom Leben beschenkt. Ich wurde schwanger. Und durfte deshalb nicht mehr arbeiten. Nun hatte ich jede Menge Zeit zum Schreiben und das habe ich auch getan!

Ich arbeite mal mehr, mal weniger an meinem Manuskript, das inzwischen über 130 Seiten umfasst.

Hast du schon mal ein Buch über eine Reise gelesen? Was hat dir daran besonders gut gefallen? Was ist dein Lieblingsbuch?



Das Jahr nach dem Trail

Es ist heute genau 1 Jahr her, dass Henning und ich den Te Araroa erfolgreich beendet haben. Unglaublich wie die Zeit vergeht. Wir hatten uns auf dem Trail Vieles für danach vorgenommen, und nur Manches umgesetzt.

Zum Beispiel wollten wir uns gesund und gut ernähren. Da wir nach dem Thru-Hike noch gut 2 Monate auf Reisen waren, scheiterte dieses Unternehmen grandios. Es war einfach zu teuer Obst und Gemüse zu kaufen wenn Fish&Chips nur 5 Dollar kosten. Und mal ehrlich wer würde sich für Vitamine entscheiden wenn man dafür länger reisen kann.
Hinzu am noch, dass es schwer ist dem Hiker-Hunger, der noch lange nach der Wanderung anhält, etwas entgegen zu setzen. Selbst wenn man weiß was auf einen zukommt und man sich noch so gut vorbereitet - Wir hatten keine Chance und haben (leider) verlorenes Gewicht wieder zugelegt + Bonus. Der Körper glaubt eben wirklich er müsste sonst verhungern.

Eine andere Sache, die wir uns vorgenommen hatten war Sport. Im Gespräch mit Mitwanderern waren wir zu dem Schluss gekommen, dass man eigentlich nur einmal die Woche regelmäßig joggen gehen müsste um ein gutes Fitesslevel aufrecht zu halten. ja... guter Plan. Leider nicht eingehalten.
Wir hatten auch Pläne für Zuhause. Ein Garten mit eigenem Gemüse (check), Bienen (ähm nein), Hühner (auch nicht - wir mögen unsere Nachbarn zu gerne) und eine Arbeit mit gutem Einkommen. Einen Job zu finden war überhaupt kein Problem. Nach 7 Tagen hatte ich einen Platz gefunden und Henning nach 10 Tagen.

Das mit der Wohnung ist schwieriger gewesen. Fast ein halbes Jahr dauerte es bis wir in was Passendes einziehen konnten. Zum Glück gibt es die liebe Verwandtschaft in der Nähe.

Für die Zukunft hatten wir uns ausgemalt immer glücklich zu bleiben und zu wissen was wir wollen. Damit man nicht irgendwohin geschwemmt, wird wo man nicht hin will. Ich glaube das ist etwas was wir mit dem Trail verinnerlicht haben und das uns niemand mehr wegnehmen kann.
Wir haben uns so eingerichtet, dass wir flexibel bleiben können. Wenn das Leben also eine Wendung nimmt, die uns nicht gefällt, dann werden wir etwas daran ändern können.

Wer hat schon mal was von "Reverse Cultur Shock" gehört? Genau. Es geht darum, dass wenn man lange genug Zeit im Ausland verbracht hat, dann lernt man seine eigene Kultur mit anderen Augen zu sehen wenn man zurück kommt. Wir kannten das schon von anderen Reisen und es waren diesmal keine neue Erkenntnis dabei, außer vielleicht, dass die Leute nicht gerne darauf aufmerksam gemacht werden.

Es stimmt schon, dass es kein zurück in die alte heile Welt gibt. Man sieht die Welt mit anderen Augen nach einem Thruhike bzw. einer langen Reise, was gut aber auch schmerzhaft ist.
Mir ist auch klar, dass man sich immer seiner Umgebung anpasst. Und je länger wir wieder an einem Ort sind desto leichter wird es sich dort leben, denn desto mehr passt man sich (ungewollt) an. Man sollte sich gut überlegen womit und mit wem man seine Zeit verbringt, denn es beeinflusst einen sehr.

War es schwer nach dem Trail nach Hause zu kommen? Nein eigentlich nicht. Wir waren reisemüde und sehr glücklich endlich wieder an einem Fleck bleiben zu können. Und gleichzeitig ja, weil uns negative Dinge auffielen. Zum Beispiel grüßt dich niemand in dieser großen Stadt. Alle bleiben anonym. Die meisten gucken traurig verschlossen. Die Autofahrer sind gestresst und drängeln. Es gibt nicht so viele coole Restaurants.

Sind wir jetzt also glücklich? Ja sehr. Und wenn wir es mal nicht sind, dann weil wir verwöhnt sind und vergessen uns auf das Wesentliche zu besinnen. Dann holen wir unsere beiden Te Araroa Fotobücher hervor und es dauert nicht lange bis wir glücklich und stolz sind.

Wann geht es wieder los? Tja,...dass wir es nie mehr tun werden können wir nicht versprechen. Im Moment sind uns aber andere Dinge wichtiger. Das Gehirn muss erst wieder vergessen wie schmerzhaft und anstrengend eine solche Wanderung ist. Wenn es soweit ist, dann dauert es bestimmt nicht mehr lange bis wir wieder unsere Rucksäcke packen.

Navigieren auf dem Te Araroa

Uns erreichen regelmäßig Fragen zum Te Araroa. Die am häufigsten gestellte Frage ist die nach der Navigation. Ich schiebe diesen Blogbeitrag nun lange genug vor mir her. Hier kommen unsere Erfahrungen und Tipps mit der Navigation auf dem Te Araroa.

Generell findet ihr auf der Te Araroa Trust Website einen Downloadbereich mit Informationen zu jeden Wegabschnitt in Textform: die Trailnotes, und fertige digitale Karteninformationen im .kmz, GPX und PDF Form.


Brauche ich auf dem Te Araroa eine Karte oder folge ich einfach der Wegmarkierung?

Für den Te Araroa brauchst du auf jeden Fall eine Karte. Die Wegmarkierung ist nur teilweise vorhanden und dann auch nicht immer so vollständig dass man ihr ohne weiteres folgen kann. Ein Tramplepfand ist wegen der geringen Wandereranzahl und rasch wachsender Vegetation auch nicht immer sichtbar und es heißt: "choose your own adventure!"

Auf welchem Papier soll ich die Karten und Trailnotes ausdrucken und hattet ihr einen Kompass dabei?

Die Antwort hier wird ein paar von euch nicht gefallen: wir hatten KEINEN KOMPASS UND KEINE PAPIERKARTEN dabei! Wir hatten je ein (Samsung) Smartphone als Computer dabei. Darauf gespeichert waren DIGITALE KARTEN in einer GPS App und eine digitale Version der Trailnotes zum Nachlesen und Planen.
Damit uns der Akku nicht leer geht und wir ohne Karte dastehen hatten wir ein großes externes Akkupack dabei und - wie schon erwähnt- zwei Smartphones als Absicherung.




Vor- und Nachteile von Papierkarten vs. digitale Karten

Die Angst das Handy könnte leer oder kaputt gehen zerstreuen wir gerne mit: Papier kann nass werden und davon wehen. Papier ist, unserer Meinung nach, keine Garantie dafür, dass die Karten nicht kaputt gehen. Uns sind auf dem Te Araroa nur zwei Wanderer begegnet die Schwierigkeiten mit der Navigation hatten. Einer hatte seine Papierkarten verloren und der andere hatte zwar Papierkarten, wusste aber nicht wo genau auf der Karte er sich befindet.

Das ist der große Vorteil wenn man eine GPS App benutzt. Das Handy (oder GPS-Gerät) wird genau geortet und man kann leicht navigieren. Der zweite große Vorteil ist das Gewicht. Wer sowieso ein Telefon dabei hat (Musik, Filme, Fotografieren, Videos drehen, Lesen, Spielen, Blog schreiben, Skypen...) spart sich das komplette Papiergewicht und einiges an Druckkosten.

Wer dennoch unbedingt Papierkarten mitnehmen möchte, der sollte diese auf jeden Fall laminieren oder in einem Wasserdichten Beutel mitnehmen. Die Chancen, dass ihr und euer Gepäck einmal komplett durchnässt werdet stehen auf dem TA nämlich recht gut.

Wie funktioniert die Navigation mit dem Smartphone?

Die App, die wir benutzt haben heißt maps.me und ist kostenlos. Es gibt sie für Apple und Android.
Nachdem ihr die App auf eurem Handy installiert habt, müsst ihr die Offlinekarten für Neuseeland herunterladen.

Aus dem oben genannten Downloadbereich des Te Araroa Trust ladet ihr euch nun die .kmz file herunter, ebenfalls auf eurem Telefon. Sie fügt sich normalerweise automatisch als Lesezeichen hinzu. Jippih, freut euch. Letztes Jahr gab es noch keine .kmz Version. die mussten wir uns selber zusammen basteln.




Weitere Tipps:


1.) Räumt euer Handy vorher auf und stellt sicher, dass ihr genug Speicherplatz habt.

2.) Checkt eure Apps auf Apps mit hohem Hintergrund-Energiebedarf und entfernt diese Apps ggf.

3.) Verändert die Karte nach eurem Anforderungen. Ich würde für eine bessere Übersicht zum Beispiel die Trailkilometerangaben reduzieren und die Städte, in denen man Essen kaufen kann, hervorheben. Dazu markierst du den Pin, den du verändern willst. In Maps.me unten links leuchtet der Lesezeichen Stern gelb. Du entfernst ihn wenn du drauf klickst. Möchtest du den Pin verändern wischt du den Text nach oben und drückst auf "LESEZEICHEN BEARBEITEN". So kannst du auch mehrere Gruppierungen an Informationen (z.B. Unterkünfte, Essen...) anlegen. Alternativ könnt ihr den Trail auch in Google Earth importieren und dort anpassen um ihn anschließend wieder in Maps.me zurück zu exportieren. 

4.) Beispiel zu Punkt 3: ladet euch noch die Drehorte von Herr der Ringe dazu, denn ihr kommt an mehr Drehplätzen vorbei als ihr denkt (einfach googeln, es gibt ein paar Seiten, die die Orte als .kmz oder .kml zum Download zu Verfügung stellen)! 

5.) Benutzt euer Handy während dem Wandern im Offline- und Energiesparmodus. Schaltet es nachts aus. Wenn es kalt ist tut das auch dem Akku besser.

6.) Wasserdichte Smartphonehülle!!!